Zwischen der lehmig-sandigen Niederterrasse im Bereich Hülsdonk und den tonigen Auenablagerungen entlang des Moersbachs liegen geotechnisch gesehen Welten, auch wenn es im Stadtbild kaum auffällt. In Moers entscheidet oft nicht der Stadtteil über die Gründungsart, sondern die quartäre Schichtenfolge aus Terrassensedimenten, die der Rhein in den vergangenen Jahrtausenden abgelagert hat. Eine bodenmechanische Untersuchung deckt diese Wechsel von rolligen zu bindigen Böden auf, bevor der erste Bagger anrückt. Während in Kapellen häufig gut tragfähige Sande anstehen, trifft man in Schwafheim bereits ab zwei Metern Tiefe auf setzungsempfindliche Auenlehme, die ohne vorherige Baugrunderkundung zu erheblichen Bauverzögerungen führen können. Die Kombination aus direkten Aufschlüssen und Laboranalysen liefert die Kennwerte, die der Tragwerksplaner für eine wirtschaftliche Gründung braucht.
Die quartären Terrassensedimente in Moers erfordern eine laborbasierte Bodenmechanik – reine Sondierprofile allein können den Wechsel von rolligen zu bindigen Schichten nicht ausreichend abbilden.
Unser Ansatz
Lokale Besonderheiten
Ein dreigeschossiger Wohnbau an der Homberger Straße verzögerte sich 2019 um mehrere Wochen, weil der Baugrundgutachter die Steifigkeit eines schluffigen Zwischenhorizonts falsch eingeschätzt hatte. Die tatsächlichen Setzungen lagen um den Faktor 2,5 über den prognostizierten Werten, was eine nachträgliche Verstärkung der Bodenplatte und kostenintensive Unterfangungen erforderte. Die Ursache war keine grobe Fahrlässigkeit, sondern ein unvollständiger bodenmechanischer Untersuchungsumfang: Es fehlten Ödometerversuche zur korrekten Bestimmung des Steifemoduls Es im relevanten Spannungsbereich. In Moers mit seinen heterogenen Deckschichten aus Hochflutlehm und Terrassensand ist die bohrlochgestützte Probenentnahme mit nachfolgender Laboranalyse kein Mehraufwand, sondern die Voraussetzung für eine verformungsarme Gründung. Besonders bei setzungsempfindlichen Nachbarbauwerken, wie sie in der Innenstadt Moers dicht an dicht stehen, wird die präzise Prognose der Bauwerksverformung zum entscheidenden Haftungsrisiko.
Normativer Rahmen
DIN 4020:2020 – Geotechnische Untersuchungen für bautechnische Zwecke, DIN EN 1997-1:2014-03 (Eurocode 7) – Entwurf, Berechnung und Bemessung in der Geotechnik, DIN EN ISO 17892-1:2015-03 – Laborversuche an Bodenproben (Klassifikation), DIN 18196 – Bodenklassifikation für bautechnische Zwecke
Weitere Fachleistungen
Baugrunderkundung & Probenahme
Klein- und Rammkernbohrungen nach DIN EN ISO 22475-1 inklusive Entnahme gestörter und ungestörter Proben aus den quartären Lockersedimenten. Für weiche Auenböden kommen zusätzlich Sondierungen mit der Rammsonde DPH zum Einsatz.
Bodenmechanisches Laborprogramm
Vollständige Bestimmung der Klassifikations- und Festigkeitsparameter: Korngrößenverteilung, Atterberg-Grenzen, Glühverlust, Rahmenscherversuch, Ödometerversuch und Durchlässigkeitsversuch im DIN-zertifizierten Prüflabor.
Geotechnischer Bericht & Gründungsempfehlung
Auswertung der Feld- und Laborergebnisse in einem geotechnischen Bericht nach DIN 4020 und EC 7. Angabe von Bodenkennwerten, Homogenbereichen, Setzungsprognosen und konkreten Empfehlungen für Gründung, Baugrubensicherung und Wasserhaltung.
